Revolution in der Ursulaschule!

Ursulaschule Osnabrück

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Revolution in der Ursulaschule!

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Warum steht draußen, vor dem Physikhörsaal der Ursulaschule, eine Guillotine?

Sie dient nicht den Physikern zu Versuchen, das Licht zu spalten! Denn sie ist grob, ein Blickfang auf dem Pausenhof, schwarz (nicht rot, wie in Paris) und breit inmitten der Schüler, nicht länger gefährlich, doch kein Spielzeug. Sie soll nicht erschrecken, aber zu denken geben. Behängt mit Kommentaren, ist sie Bestandteil einer Geschichtsausstellung zur Französischen Revolution, die am 10. März um 18.00 Uhr in Haus 2 offiziell eröffnet wird.

Mit Beginn dieses Schuljahres haben sich zwei Geschichtskurse der Oberstufe unter Begleitung ihrer Lehrer mit der Französischen Revolution in besonderer Weise auseinandergesetzt. Das Ergebnis ihrer Recherchen, Materialsichtung und kritischen Begutachtung kann nun im Flur des Hauses 2 bestaunt werden.

Selbst wer diesen Flur mit gesenktem Blick durchquert, wird durch gelb gefasste Aufkleber auf dem Boden aus seinen Gedanken gerissen. Von „Freiheit“, „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ ist da zu lesen - den kämpferischen Forderungen idealistischer Revolutionäre nach einer menschenwürdigen Gesellschaft. Sie werden kontrastiert mit ebenso pointierten Hinweisen auf eine andere Entwicklung, die die Revolution sehr bald nach ihren Anfängen nahm und die zu absonderlichen Widersprüchen und Interessengegensätzen führte: „Vogelfreiheit“, „Bourgeoisie“ und „Konkurrenz“.

Diese Widersprüche bestimmen die Ausstellung. Die Chronologie der Ereignisse erfährt man mit Hilfe einer Zeitleiste, die den Großteil einer der Flurwände deckt, mehrmals unterbrochen von großformatigen, kommentierten Bildern jener Männer, die den Gang der Revolution beeinflussten oder zeitweise ganz bestimmten. Angefangen mit den Aufklärern des 18. Jahrhunderts über herausragende und fragwürdige Gestalten der Revolution in ihrer terroristischen Phase bis hin zu Napoleon I. wird ein Bogen gespannt, der die Merkwürdigkeiten dieses Großereignisses der europäischen und der Weltgeschichte beleuchtet und seine Wirkungen bis in die heutige Zeit aufspürt.

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Frankreich in Not: Eine Reihe von Bildern illustriert den rasenden Wandel. Noch taucht in dieser Staatskrise die vom König hilfesuchend gerufene Versammlung der Notabeln auf - eine verzopfte Elite von Rang, doch Männer „von gestern“. Ein Schaubild erklärt die Zusammenhänge. Ein anderes ergänzt mit Hinweisen auf Statik und Dynamik im Ancien Régime, angelegt auf Herrschaftssicherung der Eliten. Dann die Generalstände: Im aufwändigen Gemälde festgehalten, klammern sich aufgeregt Deputierte an die althergebrachte Ordnung oder fordern ultimativ und in neuer Sprache Mitbestimmung des Volkes. Dann, endgültig, die Spaltung: David hat die Szene festgehalten: Da sind jetzt die Abgeordneten der Nationalversammlung beim konspirativen Schwur gegen das Alte zu sehen, eine Brise strömt in den Ballsaal und bauscht die Vorhänge (Luft!); da ist die Idee vom „Vaterland“; da wechseln bereits auf einem Schaubild in Eile die künftigen Verfassungen; eins wird das andere geben. Das Volk lebt - zunächst das betuchte! Und zwischen all dem in Bild und Text: das Königspaar. Ludwig XVI. im prachtvollen Ornat des legitimen Herrschers. Daneben: Marie-Antoinette, in parfümierte Pose gesetzt, eine geblümte Augenweide mit gespreiztem Finger à la mode und kunstvoll in Falten gelegtem, geplustertem Gewand mit ausladendem Hut. Die Bilder vernebeln bereits die Wahrheit; denn im Rücken des Betrachters ist, um nur wenige Jahre versetzt, ein Jahrtausendereignis abgebildet, ein Riss in Gottes Schöpfung: „Bürger Ludwig Capet“, ehemals König, wird 1793 auf die Wippe der allmächtigen Guillotine, der neuesten Mode, aus England importiert, bäuchlings gestreckt. Der Hals fixiert zwischen die Lünetten, zwei Meter unterhalb der schräg angeschnittenen Schneide. Vielleicht ist der Tod schmerzfrei, doch weiß man bis heute nichts Genaues, sondern verliert sich in weitverzweigten Messungen. Dass das Beil auf des dicken Ludwigs Hals mehrfach hinunterfallen musste, um Erfolg zu haben, wird hier und da behauptet. Außerdem wird von viel Geschrei berichtet, als der Kopf des Gefesselten schließlich unter dem Messer fiel („Ça ira!“, heißt es auf dem Bild; in England spricht man von der „Ermordung“ Ludwigs; das Volk, die Republik: das war der teuflische Dämon). Das Instrument wurde nach und nach von öffentlichen Plätzen verdammt, fand aber in Grüften Unterkunft, sauste in Frankreich bis 1981 nieder, lebte - wie wir vor dem Physikhörsaal erfahren - weiter in anderen Ländern.

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Nicht allein Personen stehen im Vordergrund. In gleicher Weise widmet sich die Ausstellung auch speziellen Themen, konzentriert sich auf die Rolle der zur Egalität entschlossenen Pariser Sektionen, der Sansculottes, beleuchtet die unglückliche Rolle der revolutionären Frauen in ihrem Kampf um Gleichheit. Die revolutionäre Bedeutung des Schulwesens wird gezeigt: Schule zwischen befreiendem Aufbruch (Schulpflicht für beide Geschlechter!) und revolutionärer Strenge (Disziplinierung und ideologische Ausrichtung der jungen Menschen). Über kommentierte Bilderleisten zum Schulwesen der Nachbarländer Frankreichs in dieser und der folgenden Zeit bis auf den heutigen Tag können Vergleiche gezogen werden.

Bilder und Texte zur vorrevolutionären Kleidung unterschiedlicher Stände, aber auch zu den Ikonen der Revolution wie Langhose und Freiheitsmütze und zur nachrevolutionären Mode sowie zu militärischen Uniformen zeigen, dass Kleidung – damals und wohl auch heute - gesellschaftliches und politisches Ausdrucksmittel sein kann.

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Die zum Teil kuriosen Neuerungen der Revolution auf den Gebieten von Zeitmessung, Fest- und Feierkultur werden an einem weiteren Platz der Ausstellung gezeigt. Dass diese nicht allein friedlichen Zwecken dienten, sondern blutgetränkt sein konnten, vermitteln Bilder von Gegnern der Revolution. Der brutale, zum Teil auch menschenverachtende Charakter der Entwicklung in Frankreich wird an diesen Stellen besonders deutlich. Weitere Beispiele einer Brutalisierung zeigen sich in staatlich-terroristischen Gesetzen („über die Verdächtigen“) und den Texten berühmter und berüchtigter Revolutionslieder. Drei dieser Lieder werden vorgestellt.

Dem Kaiser der Franzosen, Napoleon I., wird ein Kapitel gewidmet, kommentiert durch giftig scharfe, zeitgenössische Karikaturen und der pompös-pathetischen Hofmalerei eines Wendehalses wie Jacques-Louis David. Die umstrittene Gestalt des französischen Monarchen wird in ihren widersprüchlichen Seiten sichtbar: Napoleon als Menschenschinder und Verbrecher (Goyas Kriegsbilder, Gillrays Karikaturen!), Napoleon als Gesetzgeber, orientiert an Freiheit und juristischer Gleichheit, und, post mortem, verkitscht und in gleicher Funktion: Napoleon als Mythos, in der biblischer Gestalt des Moses diesmal und in gedanklich waghalsigen Sprüngen gekrönt vom Gott der Zeit Chronos.

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Wir laden alle Schülerinnen und Schüler, alle Eltern, Lehrerinnen und Lehrer und alle weiteren Interessierten für die nächsten Wochen ein, sich ein eigenes Bild zu machen. Die beteiligten Kurse haben für Mitschüler Fragen zu den Ausstellungsgegenständen vorbereitet, mit deren Hilfe sie „erobert“ werden können. Wenn weitere Hilfe benötigt wird (etwa zu Klassenführungen), stehen diese Schülerinnen und Schüler zur Verfügung. Ihre begleitenden Lehrer können dazu weitere Informationen geben.

Wir wünschen nun ein kurzweiliges Durchschreiten eines wichtigen geschichtlichen Kapitels, über dessen Entwicklung Friedrich von Schiller, anfänglich ein Bewunderer der Revolution und von der französischen Nationalversammlung 1792 zum Ehrenbürger Frankreichs ernannt („le sieur Gillé“), 1793 enttäuscht sagte, sie sei ein Beweis dafür, dass „das Menschengeschlecht der vormundschaftlichen Gewalt nicht entwachsen“ und damit unmündig sei.

Es laden ein:

die Kurse 12 ge 6 und 12 ge8 und ihre Lehrer Herr Weßling und Herr Klauss.

Lernen

Impressum

Ursulaschule Osnabrück

Kleine Domsfreiheit 11-18
49074 Osnabrück
Telefon: 0541 - 318701
Fax: 0541 - 318711
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Schulleiter: Rolf Unnerstall

Schulträger

Schulstiftung im Bistum Osnabrück
Domhof 2
49074 Osnabrück

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