Von Assisi nach Haiti und Pakistan
Kategorie: Schulleitung Erstellt am Montag, 30. August 2010 09:57 Geschrieben von Schulleitung Zugriffe: 3151

„Gott, dein Schrei kommt durch die Armen zur Welt“
Im Herbst 2009 hat die Schulgemeinschaft der Ursulaschule eine Pilgerreise nach Assisi unternommen und sich auf die Spurensuche nach Franziskus begeben. Während dieser Zeit war unsere Begegnung und Auseinandersetzung mit diesem „verrückten“ Heiligen sehr intensiv und nachhaltig.
Uns hat beeindruckt, wie dieser Sohn aus einer stolzen, reichen Bürgerfamilie sich eines Tages aus allen familiären und gesellschaftlichen Bindungen löst, um ganz in Armut und Solidarität mit den Armen zu leben und auf seinen Wanderwegen den Menschen das Evangelium zu verkünden. Die radikale Armut des Franziskus mag nicht jeder nachvollziehen können. Sie ist aber ein Zeichen für die Ablösung von den materiellen Dingen, die uns in unserer Gesellschaft oft mehr wert zu sein scheinen als die Menschen. Gleichzeitig bedeutet sie radikale Hinwendung zu Gott und den Menschen und ist damit Ausdruck und Aufruf zu einer humanitären Weltzugewandtheit, die im anderen Menschen den Nächsten und damit Gottes Geschöpf erkennt. Franziskus selbst macht diese Erfahrung als er eines Tages außerhalb der sichernden Stadtmauern auf einen der vielen Aussätzigen trifft. War es ihm bis zu diesem Augenblick unerträglich bitter erschienen, Aussätzige auch nur anzusehen, so steigt er dieses Mal vom Pferd und übergibt dem vom Aussatz Gezeichneten mit einem Kuss eine Münze. Für Franziskus wurde diese Begegnung zu einem Schlüsselerlebnis. Im Testament schreibt er, dieser Schritt auf den Nächsten, den geringsten „meiner Brüder“ zu, habe ihm Leib und Seele mit übergroßer Freude erfüllt.
Die Art und Weise, wie Franziskus dem Aussätzigen begegnet, setzt Maßstäbe auch für unsere Schulgemeinschaft. Deshalb wollen auch wir uns wie Franziskus auf den anderen Menschen wirklich einlassen und insbesondere eine Notlage des anderen erkennen und der Hilfe in einer aktuellen Not den Vorrang vor anderen Aufgaben einräumen. Diesen Grundsatz haben wir nicht nur in unserem Schulprogramm formuliert, sondern wir versuchen, ihn in unserem Alltag auf vielfältige Weise lebendig werden zu lassen.
In diesen Wochen erreichen uns die Hilferufe aus Pakistan. Wir erleben Menschen, Erwachsene und insbesondere Kinder, denen durch die Überflutungen in ihrem Land alles genommen wurde. Ihnen ist nur das nackte Leben geblieben. Vergleiche zu den Folgen der Katastrophe in Haiti drängen sich auf. Dort haben wir geholfen. Warum nicht auch jetzt? Nur weil Pakistan als Hort islamistischer Terroristen gilt? Für Franziskus wäre dies kein Grund gewesen. Er fordert uns auf, Brüder aller Menschen zu sein und abzurücken von einer Bewertung des Menschen nach dem, was er leistet oder was er gesellschaftlich gilt. Seine Zuwendung zum Nächsten ist radikal und bedenkenlos, wo er unsere Hilfe braucht.
Aus dieser franziskanischen Grundeinstellung heraus haben unsere Schülerinnen und Schüler für Mittwoch, den 1. September 2010, eine Wortgottesfeier initiiert, die in der 4. Stunde in der Herz-Jesu-Kirche stattfindet. Während dieser Feier werden wir in Gedanken und im Gebet der Menschen in Pakistan gedenken und Gott um sein Erbarmen anrufen. Außerdem ruft die Schülervertretung in einer Kollekte zu Spenden für die Flutopfer auf. Die Schülervertreter hoffen dabei auf eine ähnlich große Spendenbereitschaft, wie wir sie im letzten Schuljahr an unserer Schule für Haiti erlebt haben.
Wie ernst es den Schülern mit ihrer Hilfsaktion ist, beweisen sie dadurch, dass sie 3500 Euro, die sie als Erlös aus der Assisi-Party im Alando erwirtschaftet haben, in den Spendentopf mit einfließen lassen. Der gesamte Spendenbetrag soll am Ende der Woche einem Vertreter von terre des hommes für das „Bündnis Entwicklung Hilft“ übergeben werden
Bitte unterstützen Sie als Eltern, Verwandte und Freunde die Aktion der Schülerinnen und Schüler.
Rolf Unnerstall




