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Der kleine Meermann und die Erde

Maren Gehle aus der Klasse 6d hat an einem Kurzgeschichten-Wettbewerb teilgenommen und diese wunderbar kreative Geschichte geschrieben. Auch die Zeichnung stammt von ihr.

Der kleine Meermann und die Erde

Schon vor etwa 3.000 Jahren versuchten die Menschen herauszufinden, wie die Erde aufgebaut ist. Sie nahmen an, dass die Erde eine flache Scheibe ist, die von einer festen Halbkugel, auch Firmament genannt, umgeben ist. So ähnelte die Erde fast einer Schneekugel ohne Schnee. An den Rändern der Scheibe ragten hohe Berge in den Himmel, die das Firmament als Himmelssäulen stützen sollten.

Und um die Erde herum, so dachten die Menschen damals, sei nicht das All, sondern Unmengen an Wasser, welches die Erde komplett umhüllte. Den Regen stellten sich die Menschen so vor, dass sich so genannte Schleusen des Himmels manchmal öffneten und manchmal schlossen. Waren sie offen, regnete es auf der Erde. Waren sie zu, konnte kein Wasser des Himmelozeans das Firmament durchdringen. Unter der Scheibe, so dachten die Menschen, sei die „Höhle der Unterwelt“, das Reich der Toten.

Aber eine Frage blieb ungeklärt: Wie wurde die Erde erschaffen? Das ist eine schwierige Frage, auf die es viele verschiedene Antworten gibt. Ich aber glaube, dass die Erde vor Milliarden von Jahren so entstanden ist:

Vor Milliarden von Jahren wurde in einem unendlich großen Ozean ein kleiner Meermann geboren, der mit seinen Eltern in der Nähe einer Bucht in einem Korallenriff lebte. Seine Eltern merkten direkt nach der Geburt ihres ersten Kindes, dass er ein ganz besonderer Meermann war: Er war winzig klein! Alle Meermänner und Meerfrauen waren riesig groß, nur der kleine Meermann war sehr klein. Voller Sorge um den kleinen Meermann beschlossen seine Eltern den ältesten und klügsten Meermann, einen Zauberer, um Rat zu bitten. „Wir wissen einfach nicht mehr, was wir tun sollen“, sagte die Mutter betroffen. Als sich der kluge Meermann alles genauestens angehört hatte, lachte er laut auf. Er konnte kaum aufhören, brachte aber schließlich heraus: „Natürlich ist der Meermann noch sehr klein. Aber mit den Jahren wird er noch wachsen. Ein wenig ungewöhnlich ist es schon, aber ich glaube, ich habe hier genau das Richtige für den jungen Meermann.“

Die Eltern des kleinen Meermanns betrachteten den Gegenstand misstrauisch: „Was ist das?“ „Das ist eine von mir angefertigte Schneekugel. Doch statt Schnee enthält sie einen Zauber, der alles wachsen lässt, was meine einzigartige Zauberkugel berührt. Seid also vorsichtig mit ihr“, antwortete der Zaubermeermann. Die Eltern waren sehr dankbar über alles, was der kluge Meermann ihnen erzählt hatte, und nahmen das Geschenk gerne an. Sie wollten gerade wieder gehen, als der Zauberer ihnen noch predigte: „Aber als Gegenleistung verlange ich, dass der Meermann für mich als Zauberer arbeiten wird, sobald er groß genug ist.“

Übermütig willigten die Eltern des kleinen Meermanns ein, ohne zu ahnen, was das für ihren Jungen bedeuten würde und schwammen zurück zu ihrem Riff. Nachdem der kleine Meermann die Zauberkugel berührte, dauerte es zwar einige Zeit, doch nach und nach wurde er immer größer, bis er die Größe seiner Artgenossen erreicht hatte. Von dem Tag an war der kleine Meermann sogar der Größte unter allen Meermännern. Die Eltern freuten sich darüber so sehr, dass sie vor lauter Freude sogar das Versprechen an den klugen Meermann ganz vergaßen.

Der kleine Meermann hatte nie gewusst, was es mit der seltsamen Schneekugel auf sich hatte, aber er liebte sie über alles und nahm sie überall mithin. Eines schönen Morgens stand der Zauberer auf einmal vor der glücklichen Meermannfamilie und bestand auf seinen Teil der Abmachung. Die Eltern mussten einsehen, dass sie gezwungen waren, ihren einzigen Sohn abzugeben. Der kleine Meermann verstand nicht ganz, worum es ging, folgte aber nach der Aufforderung seiner traurigen Eltern dem Zauberer in seine Unterwasserhöhle.

Der Zauberer hatte selbst eine Tochter, die ungefähr das Alter des kleinen Meermanns hatte und furchtbar neugierig war. Als der kluge Meermann zusammen mit dem kleinen Meermann die Höhle betrat, quasselte sie auch schon drauf los: „Hallo, mein Name ist Chatter. Wie heißt du? Kannst du auch zaubern? Wo wohnst du? Magst du…“ Weiter kam sie nicht, da ihr Vater Chatter bedeutete, endlich still zu sein. „Ich habe eigentlich keinen richtigen Namen. Alle nennen mich immer der kleine Meermann. „Aber du brauchst doch einen Namen“, entgegnete Chatter, wir nennen dich einfach Clumsy.“

„Oh, okay. Und wieso zaubern?“, brachte der kleine Meermann vorsichtig heraus. Der Zaubermeermann erklärte: „Du wirst ab sofort bei mir das Zaubern lernen und ein Zauberer werden, so wie Chatter und ich.“ „Aber ich möchte kein mächtiger Zauberer werden, sondern Meeresforscher“, klagte Clumsy beinahe lautlos. Doch der kluge Meermann wollte sich damit nicht zufriedengeben und blickte ihn daher herausfordernd an: „Clumsy, ich habe sofort gemerkt, dass du großes Talent besitzt, willst du das wirklich aufgeben? Willst du wirklich nicht die Macht über andere besitzen und das hier können?“ Der mächtige Meermann hob gebieterisch seine Arme und murmelte etwas Unverständliches vor sich hin. Plötzlich blitzte die bisher leere Schneekugel auf und neben einer wunderschönen Landschaft entstand das Leben. Erst waren es nur ein paar kleine Lebewesen im Wasser, doch auch auf dem Land entstanden Tiere, Vögel, Pflanzen und Menschen in der Zauberkugel.

Der kleine Meermann brachte vor Staunen keinen Ton heraus, als ihn der Zauberer erwartungsvoll ansah. Auch Chatter schien verblüfft. Clumsy schossen viele Fragen durch den Kopf: War das eben ein echter Zauberspruch? Hatte dieser komische Urknall eben all das Leben erschaffen? Schließlich traute er sich doch noch, etwas zu antworten: „Das… das war unglaublich! Kann ich das auch?“ „Du, mein Junge, kannst alles. Du hast das Talent, ein Zauberer zu werden. Ich werde dir alles beibringen, du brauchst nur JA zu sagen“, sagte der mächtige Zauberer sanft. „JA!“, gab der kleine Meermann zurück. „Ja, aber sag mir, wie du das gemacht hast!“

Immer noch fasziniert betrachteten die Kinder die verzauberte Schneekugel. Der Zaubermeermann freute sich über diese Antwort und sagte: „Gut, dann werde ich dir und Chatter das Zaubern beibringen.“ Die beiden Kinder nickten beinahe gleichzeitig und der mächtige, kluge Zaubermeermann erklärte ihnen zunächst die Grundlagen des Zauberns. Die beiden Meeresgeschöpfe hatten viel Spaß und schon bald waren die zwei Freunde so weit, dass auch sie bereits Lebewesen erschaffen konnten.

Und die Zauberschneekugel? Diese Schneekugel wurde für den kleinen Meermann der wichtigste Gegenstand auf der ganzen Welt. Er bewunderte immer wieder die hohen Berge, die an den Rändern emporragten, die Sterne und Planeten, die in ihr strahlten, die unterschiedlichen Landschaften, die die komplette Scheibe bedeckten und am meisten aber die Lebewesen, die so winzig klein waren und es schafften, auf der Erde, so nannte sie der kleine Meermann, zu überleben. Aber etwas fand er noch nicht perfekt an der Erde, denn er konnte sehen, dass die Landschaften immer trockener wurden und die Gewässer immer kleiner wurden. So sagte er eines Tages zum klugen Meermann: „Meister, was kann ich tun? Die kleinen Menschen in der Zauberkugel werden immer dünner und sind kurz vorm Verhungern!“

In Seelenruhe schaute sich der mächtige Zauberer die Zauberkugel genauestens an und sagte daraufhin zu Clumsy gewandt: „In der Tat mein Junge. Die Menschen haben nicht genug Wasser, welches sie zum Überleben brauchen. Um die kleinen Gestalten zu retten, musst du es regnen lassen. Du hast bei mir bereits viel gelernt, wende dein Wissen an, damit alle Lebewesen auf der Erde in Frieden weiterleben können.“

Der kleine Meermann war ratlos. Wie könnte er es auf der Erde regnen lassen? Natürlich wollte er nicht, dass alle Pflanzen, Tiere und Menschen starben. Er war so verzweifelt und wütend zugleich, dass ihm ausversehen die Glaskugel aus der Hand fiel und unglücklicherweise auf einem Meeresstein aufkam. Der junge Meermann hielt den Atem an. War das Meisterwerk zerstört? So schnell er konnte, raste Clumsy auf den Stein zu. Er hatte Glück im Unglück. Die Menschen und Tiere hatten zwar einen ordentlichen Schrecken bekommen, aber der kleine Meermann hatte es geschafft: Es regnete auf der Erde. Völlig sprachlos betrachtete er die Welt. In der Halbkugel, dem Firmament, war ein kleiner Riss, durch den Wasser des Himmelozeans in die Schneekugel floss. Auf wundersame, magische Weise floss das Wasser in tropfenartiger Form und bedeckte nur einen kleinen Teil der Erde.

Gespannt beobachtete der kleine Meermann, wie der Regenschauer langsam immer weiterzog, bis ein anderer Teil der Welt nass wurde und sich auch dort wieder die Lebewesen über die Wassermassen freuten. Und natürlich freute sich Clumsy mit ihnen. Obwohl Clumsy später ein mächtiger Zauberer wurde, hatte er die magische Zauberschneekugel nie vergessen.

So, glaube ich, ist die Erde entstanden... Aber das ist nur meine Meinung.

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