Ursulaschule Osnabrück

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"Erinnerung, Verantwortung, Zukunft"

Schüler und Schülerinnen des Jahrgangs 12 der Ursulaschule setzen sich intensiv mit der Geschichte Weißrusslands auseinander.

Weißrussland, Belarus, Weißruthenien – vielen werden diese Bezeichnungen bisher nicht allzu viel gesagt haben. Sie stehen für ein Staatsgebiet, das gemeinsame Grenzen mit Polen, der Ukraine, Lettland, Litauen und Russland hat und mit knapp 10 Mill. Einwohnern eher dünn besiedelt ist. Wenn in den hiesigen Medien über die Republik Belarus (so lautet die offizielle Staatsbezeichnung) berichtet wird, dann zumeist – und ganz besonders in den letzten Wochen - im Zusammenhang mit dem Staatspräsidenten Lukaschenko, dem Manipulation der Präsidentschaftswahlen, Behinderung der freien Presse und Unterdrückung der Opposition vorgeworfen werden.

Ann-Christin Bensmann, Alexander Heumann, Henrike Langsenkamp, Sarah Nannemann und Jana Sisnowski, Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 12, beschäftigen sich seit einiger Zeit sehr intensiv mit der Geschichte Weißrusslands, das 1941 von der deutschen Wehrmacht überfallen wurde. In den drei Jahren der Besatzungszeit kamen ca. 25-30 % der Bevölkerung ums Leben.
Die Schülergruppe arbeitet in einem Projekt mit, das von der Gedenkstätte Augustaschacht durchgeführt und von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ gefördert wird, und bereitet sich auf eine Begegnung mit ehemals in der Region Osnabrück eingesetzten Zwangsarbeitern vor. Die Jugendlichen reisen nach den Osterferien eine Woche nach Weißrussland und werden dort mit ehemaligen Zwangsarbeitern in ihren Heimatorten Interviews führen.

Im Stadtgebiet Osnabrücks gab es während des zweiten Weltkriegs etwa einhundert Zwangsarbeiterlager; fast jeder Betrieb in der Stadt setzte ausländische Arbeitskräfte ein. Im Januar 1945 lebten mehr als 10 000 Zwangsarbeiter in der Stadt. Ca. 40% aller Zwangsarbeiter stammten aus dem Staatsgebiet der damaligen Sowjetunion, zu der Weißrussland gehörte – das entsprach etwa 13% aller Beschäftigten in Osnabrück.* Wie die Osnabrücker Betriebe waren deutsche Industrieunternehmen auf die ausländischen Zwangsarbeiter angewiesen, um die Produktion aufrecht erhalten zu können. Der Arbeitskräftemangel in der deutschen Wirtschaft wurde mit jedem Jahrgang, der zur Wehrmacht eingezogen wurde. dramatischer.
Einige der Zwangsarbeiter, die damals oft gegen ihren Willen nach Deutschland gebracht wurden, haben in den vergangenen Jahren Osnabrück besucht; sie werden an ihren heutigen Wohnorten aufgesucht, um ihre gegenwärtige Lebenssituation kennen zu lernen und über ihre Erfahrungen mit dem zurückliegenden Besuch zu sprechen.
Die Gruppe wird aber auch mit ehemaligen Zwangsarbeitern zusammentreffen, die im Juli erstmals seit ihrer Jugend nach Osnabrück kommen werden. Die Jugendlichen wollen versuchen, diesen Besuch vorzubereiten, Ängste abzubauen, ein Bild des heutigen Osnabrücks zu vermitteln.

Die Schülergruppe reist gemeinsam mit Michael Gander, Kerstin Maletz und Prof. Dr. Martin Bennhold vom Verein Gedenkstätte Augustaschacht, Mechthild Brebaum-Ersen von der Ursulaschule und Tanja Vaitulevich von der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V. nach Minsk. Tanja Vaitulevich arbeitet zur Zeit als Freiwillige in der Gedenkstätte Augustaschacht. Sie leitet und organisiert gemeinsam mit Michael Gander dieses Begegnungsprojekt und übernimmt in Weißrussland die Übersetzungsarbeit. Die Schülergruppe wird in Familien von Schülern des Minsker Gymnasiums Nr. 56 (in dem Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wird) untergebracht werden. Außerdem wird das Projekt vor Ort von der weißrussischen Organisation „Veteranen des Wiederaufbaus - Erinnerung an die Opfer des Stalinismus" sowie der „Belarussischen republikanischen Stiftung Verständigung und Aussöhnung“ unterstützt.

* Die Zahlenangaben entstammen folgendem Aufsatz:
Michael Gander, Zwangsarbeiter unter dem Nationalsozialismus in Osnabrück. In: Osnabrücker Jahrbuch Frieden und Wissenschaft 10/2003. S. 121ff.

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