Ursulaschule Osnabrück

rss

Zeitzeugengespräch - Erna de Vries

„Du wirst überleben. Du wirst erzählen, was man mit uns gemacht hat!“ Dies waren die letzten Worte, die Irene de Vries an ihre Tochter Erna richtete, bevor sie im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

Der Holocaust, ein Völkermord an über 5 Millionen Menschen. Wir kennen alle diese Zahlen, aber trotzdem fällt es schwer, sich diese Zahl wirklich vor Augen zu führen. Wenn wir das Thema im Unterricht besprechen, vergessen wir leicht, dass hinter jeder dieser Personen ein Mensch steckt, der die Schrecken der NS-Zeit durchleben musste. Umso wichtiger ist es, dass wir diese Zeit nicht von uns wegschieben, sondern den Opfern Respekt zeigen und über die Zeit informieren, damit ein solcher Schrecken nie wieder passieren wird.

Erna de Vries überlebte den Holocaust und erzählt viele Jahre später von ihrem Schicksal als eine von Millionen, die unter dem NS-Regime leiden mussten. Sie will den Millionen Toten ein Gesicht geben und hat an unserer Schule am 7. März aus ihrem Leben erzählt.

Erna de Vries ist 1923 in Kaiserslautern geboren und ist dort zunächst in einem friedlichen Umfeld groß geworden, allerdings hatte sie als jüdische Deutsche nach der Machtübernahme der NSDAP mit Anfeindungen zu kämpfen. Nach dem Tod des Vaters führte die Familie das Familienunternehmen so lange wie möglich weiter, allerdings mussten sie aufgrund ihres jüdischen Glaubens aus dem Betrieb aussteigen.

Die Jahre danach waren von Unsicherheit und ständiger Angst geprägt, das Geld war knapp. Um einen Ausbildungsplatz zu erhalten, ging Erna de Vries nach Köln, allerdings war nach Bombenangriffen ihre Arbeit in einem jüdischen Krankenhaus nicht mehr möglich. Sie war zu dem Zeitpunkt der Bombenangriffe in Kaiserslautern bei ihrer Mutter, wo sie im Folgejahr auch blieb. Diese wurde allerdings 1943 deportiert, Erna de Vries wollte ihre Mutter allerdings unter keinen Umständen verlassen und „durfte“ schließlich mit ihr zusammen deportiert werden.

Sie kamen in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, zusammen mit Millionen anderer Juden mussten sie schwere körperliche Arbeiten bewältigen. Nachdem Frau de Vries aufgrund von Krankheit in den Todesblock verlegt wurde, schien ihr Schicksal besiegelt zu sein; die Tatsache, dass sie nur „Halbjüdin“ war, rettete sie allerdings - am Tag ihrer geplanten Ermordung wurde sie nach Ravensbrück verlegt.

Sie verließ somit ihre Mutter in Auschwitz 1945 und wurde in Ravensbrück zum Arbeiten gezwungen. Der Krieg war so gut wie verloren, die Konzentrationslager sollten zu großen Teilen geräumt werden. Frau de Vries musste sich wochenlang unter unmenschlichen Verhältnissen auf den Straßen dahinschleppen, bis die Gruppe schließlich von den Alliierten befreit wurde.

Erna De Vries hatte den Holocaust überlebt.

Diese Geschichte hat uns Frau de Vries selbst erzählt, sie ist mittlerweile 95 Jahre alt. Es war schwer sich vorzustellen, dass die Frau, die da vor einem sitzt, die ganzen Grausamkeiten, von denen sie erzählt hat, selbst erlebt hat, trotzdem waren diese Erzählungen für mich noch erschreckender als z.B. die Unterrichtsstunden zum Thema „Drittes Reich“.

Besonders bewegend fand ich, wie eng sie die Beziehung zu ihrer Mutter beschrieben hat; zudem hat sie im Konzentrationslager Ravensbrück Freundschaften geschlossen, die bis heute anhalten.

Erna de Vries erfüllt den letzten Wunsch ihrer Mutter und informiert über diese Zeit. Etwas wie der Holocaust darf nie wieder vorkommen! Gerade, wenn man die aktuellen politischen Strömungen betrachtet, ist es wichtig, dass ein klares Zeichen gegen Hass gesetzt wird und uns vor Augen geführt wird, was noch vor weniger als einem Jahrhundert für Schrecken in Deutschland geherrscht haben. Erna de Vries hat uns mitgegeben, dass wir gegen Ungerechtigkeiten vorgehen müssen, und diesen Gedanken sollten wir umsetzen.

 

Letzte Änderung am

Impressum

Ursulaschule Osnabrück

Kleine Domsfreiheit 11-18
49074 Osnabrück
Telefon: 0541 - 318701
Fax: 0541 - 318711
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Schulleiterin

Daniela Boßmeyer-Hoffmann

Schulträger

Schulstiftung im Bistum Osnabrück
Domhof 2
49074 Osnabrück

Zufällig

  • 1
  • 2
  • 3
Zurück Vor
Geheimnisvolle Schubladen

Geheimnisvolle Schubladen

Im September haben wir, die Klimabotschafter der Ursulaschule, einen Ausflug zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gemacht...

Weiterlesen
Viel Lebenserfahrung

Viel Lebenserfahrung

Viele Male sind die Schülerinnen und Schüler des Profilkurses „Medien“ (Jahrgangsstufe 9) morgens in die Pflegeeinrichtung...

Weiterlesen
Exkursion zur Gedenkstätte Augustaschacht

Exkursion zur Gedenkstätte Augustaschacht

Am Morgen des 26. Februar 2019 machten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a auf...

Weiterlesen

Neu

  • 1
  • 2
  • 3
Zurück Vor
Plasticbusters reloaded

Plasticbusters reloaded

Im vergangenen Schuljahr haben die Klimabotschafter mehrmals in unserer Aula ihr Stück „Plasticbusters“ aufgeführt.

Weiterlesen
Zwei Länder räumen auf

Zwei Länder räumen auf

Am vorletzten Schultag wurde es in der Ursulaschule nochmal wuselig. Die Klimabotschafter sowie der Profilkurs „Welt...

Weiterlesen
Ist Plastik (Un)vermeidbar?

Ist Plastik (Un)vermeidbar?

Mit dieser Frage beschäftigten sich Wissenschaftler, Politiker und Interessierte auf der diesjährigen Sommerakademie der Deutschen Bundesstiftung...

Weiterlesen

Beliebt

  • 1
  • 2
  • 3
Zurück Vor

Leitbild der Ursulaschule Osnabrück

Wer wir sind Das Gymnasium Ursulaschule, 1865 von Ursulinen gegründet, ist eine katholische Schule in Trägerschaft der...

Weiterlesen
"Abi Zukunft"

"Abi Zukunft"

Die Berufsorientierung der Ursulaschule nimmt ihre Schülerinnen und Schüler früh an die Hand, um Wege aufzuzeigen,...

Weiterlesen
Roboter restaurieren Tempelanlage

Roboter restaurieren Tempelanlage

Zwei Teams der Ursulaschule nahmen an diesem Wochenende am Regionalentscheid der diesjährigen World Robot Olympiad (WRO)...

Weiterlesen
Copyright © 2018 Ursulaschule Osnabrück. Alle Rechte vorbehalten.